Das Konzept

Pädagogisches Konzept der Kita Möhrenbande e.V.

Stand September 2013

 

1. Die Kita Möhrenbande e.V. stellt sich vor

„Es gibt nur eine wahrhafte Freude: den Umgang mit Menschen“
Antoine de Saint-Exupéry

Dieses Konzept wurde von den Gründungsmitgliedern der Möhrenbande e.V. mit Hinblick auf folgende grundlegende Überzeugungen erarbeitet:

  • gemeinschaftliches Leben im innerstädtischen Wohnumfeld
  • Erkunden und Erleben der außerstädtischen Natur
  • Bedürfnisorientiertes Netzwerk für Familien
  • Hinführung zu Selbständigkeit
  • Soziales Lernen im Alltagsgeschehen
  • Ausgewogene Ernährung
  • Raum und Zeit für Bewegung
  • Kreativität, Musisches und Sprache 

1.1. Der Verein

Der Verein Möhrenbande e.V. wurde 2011 von engagierten Dortmunder Eltern gegründet. Er ist Trägerverein der Kita Möhrenbande.Die Eltern sind als Mitglieder des Vereins Träger der Einrichtung.Der Verein gehört dem Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband (DPWV) an.Die Mitgliedschaft im Verein ist an den Betreuungsvertrag geknüpft. Die Modalitäten der Vereinsmitgliedschaft sind in der Satzung geregelt.

1.2. Die Einrichtung

Die Kita Möhrenbande befindet sich am südlichen Rand des Bezirks Innenstadt-West in fußläufiger Nähe zum Waldgebiet Bolmke.Das Gebäude liegt auf dem Gelände des Theodor-Fliedner-Heims.Die Räumlichkeiten sind im Erdgeschoß des Gebäudes 100a gelegen. Das Außengelände liegt an der Westseite des Gebäudes.Die Gruppenräume sind entsprechend dem teiloffenen Konzept (siehe Punkt 2.1) schwerpunktmäßig gestaltet. Großzügig angelegte Orte für Rollenspiel, Konstruktionsbauen, Bewegung, Ruhe und Entspannung, Kreativität, Musisches und Forschungsarbeiten sind in den unterschiedlichen Gruppenräumen und Gruppennebenräumen zu finden. Außerdem gibt es Räume die ausschließlich den Kindern unter 3 Jahren vorbehalten sind. Des Weiteren gibt es zwei gemütliche Schlafräume, die eine ungestörte Mittagsruhe der Kinder unter drei Jahren gewährleisten.

Kindgerechte und barrierefreie sanitäre Anlagen sind in zweifacher Ausführung vorhanden.

Eine Verteilerküche, in der unsere Hauswirtschaftskraft das Essen nach den Leitlinien des Instituts für Kinderernährung Dortmund zubereitet (ergänzt durch Essensbestandteile des Theodor-Fliedner-Heims), wird durch einen Essensvorbereitungsraum ergänzt, in welchem die Kinder an die Zubereitung gesunder Ernährung kindgerecht herangeführt werden.

Ein Personalraum und Büro für die Mitarbeiter sind im Eingangsbereich untergebracht.

1.3. MitarbeiterInnen

„Wir brauchen unsere Kinder nicht erziehen, sie machen uns sowieso alles nach“
Karl Valentin: Sämtliche Werke.
© 1994 Piper Verlag GmbH, München

Die MitarbeiterInnen der Möhrenbande sind pädagogische Fachkräfte und Ergänzungskräfte, die entsprechend den Vorgaben des Kinderbildungsgesetzes den Kindergruppen zugeteilt sind. Sie bringen Freude und Wärme, Abenteuerlust, Verantwortungsgefühl und ein stetiges Staunen über die Entwicklung der Kinder mit und sind die tragenden Wurzeln der Möhrenbande.

1.4. Kindergruppen

Die Möhrenbande bietet 11 Plätze für Kinder unter drei Jahren und 37 Plätze für Kinder über drei Jahren.Die Aufnahmebedingungen sind in der Satzung geregelt.Alle Plätze sind Tagesstättenplätze (mit 35 oder 45 Stunden Betreuungszeit pro Woche) mit warmem Mittagessen.Das teiloffene Konzept der Möhrenbande (siehe Punkt 2.1.) ermöglicht es den Kindern im Tagesablauf neben ihren Stammgruppen entsprechend ihrem Alter und ihren individuellen Interessen Aktivitäten wahrzunehmen.

1.5. Wochenablauf/Tagesablauf

Die Betreuungszeit in der Möhrenbande ist von 7.30 bis 16.30 Uhr. Kinder mit einem 35-Wochenstundenplatz können zwischen 8.00 und 15.00 oder von 9.00 bis 16.00 die Möhrenbande besuchen.Der Tagesablauf und der Wochenplan sind gekennzeichnet durch ritualisierte Aktivitäten wie Stuhlkreise, Frühstückszeit, Obstrunden, Mittagessen, Freispiel, Singkreise, Spaziergänge und Spielplatzbesuche. Ausflüge, Schwimmtage und Beteiligung der Kinder an hauswirtschaftlichen Tätigkeiten wie Tischdecken, Altpapier und Altglas zum Container bringen, Hof fegen etc. bilden ergänzend einen strukturellen Rahmen.

1.6. Jahreskreislauf

Auch der Jahreskreislauf hat mit den spezifischen Gegebenheiten der Jahreszeiten und den jeweiligen Festen einen strukturierten Ablauf, der sowohl mit den Kindern erlebt, als auch mit den Eltern geplant und durchgeführt wird: Karneval, Ostern, Sommeranfang, Abschied der Vorschulkinder und Ende des Kitajahres, Neustart des Kitajahres, Sommerfest, Erntedank, St. Martin und Weihnachten.

Besondere Angebote und Schwerpunktthemen wie z.B. Ausflüge in den Zoo/ Westfalenpark/ zum Bio-Bauernhof, ein Besuch beim Zahnarzt/Feuerwehr/Bahn etc. und die Beschäftigung mit Themen wie Wasser, Umweltschutz, Instrumente, Kinder dieser Welt, Ritter, Piraten, Indianer, Dinosaurier, Vögel etc. werden nach Interesse der Kinder und in Absprache mit den Eltern geplant.

2. Pädagogische Konzeption

„Das Kind wird nicht erst zum Menschen – es ist es heute schon“
Janusz Korczak

Die Möhrenbande ist eine Elterninitiative und versteht sich in ihrer Kindergartenidentität als integrierter Bestandteil des Alltagslebens der Familien. Die Mitarbeit der Eltern sowohl in organisatorischen als auch in pädagogischen Prozessen ist Grundlage der Einrichtung.

Der Alltag soll für Familien und MitarbeiterInnen so gestaltet sein, dass alle Beteiligten miteinander leben, voneinander lernen und gemeinsam ein Stück ihres Lebens gehen.

Die Perspektive und das Wohlergehen der Kinder hat höchste Priorität, ist aber unserer Überzeugung nach nur zu gewährleisten, wenn auch alle beteiligten Erwachsenen sich wohl fühlen. Die pädagogischen Fachkräfte arbeiten mit den Eltern in der Betreuung der Kinder Hand in Hand. Wechselseitiges Vertrauen und gegenseitige Wertschätzung und Respekt ist an dieser Stelle elementare Grundvoraussetzung.

2.1. Pädagogischer Ansatz – teiloffenes Konzept

Die Möhrenbande arbeitet mit einem teiloffenen Konzept. Die Stammgruppen der Kinder bieten Rahmenbedingungen und Struktur. Im Alltag haben die Kinder über drei daneben die Möglichkeit sich ihren Interessen entsprechend Räume zu wählen. Ein Raum ist schwerpunktmäßig auf Konstruktionsbauen ausgerichtet. Ein Raum dient dem Rollenspiel mit Puppenecke, Kaufladen und Krankenstation. Ein weiterer Raum ist vor allem der Kreativität gewidmet. Wasserfarben, Buntstifte, Knete, Scheren, Kleber und weiteres Material stehen den Kindern zur Verfügung. In den Gruppen- und Gruppennebenräumen ist jeweils eine pädagogische Kraft für die Kinder da.

Die Kinder unter drei sind grundlegend an ihre Räume gebunden, wo sie Sicherheit und Struktur finden. Gemeinsame Aktivitäten mit älteren Kindern finden unter Anleitung der pädagogischen Kräfte statt.

2.2. Pädagogische Zielsetzung

„Du kannst ihnen Deine Liebe geben, aber nicht Deine Gedanken, denn sie haben ihre eigenen Gedanken“
Kahlil Gibran

Die Möhrenbande arbeitet für die pädagogische Umsetzung der Vision, Kinder aus unterschiedlichsten biographischen Kontexten mit ihren individuellen Fähigkeiten so zu begleiten, das sie ihr gegenwärtiges Leben und auch ihr Zukünftiges souverän und solidarisch gestalten können.

2.3. Schwerpunkte in der praktischen pädagogischen Arbeit

Im KiBiZ (Kinderbildungsgesetz) ist eine Förderung der Kinder in 10 Bildungsbereichen verankert. Dazu gehören: Bewegung, Körper-Gesundheit-Ernährung, Sprache und Kommunikation, soziale-kulturelle- und interkulturelle Bildungsbereiche, musisch-ästhetische Bildung (Musik und Gestalten), Religion und Ethik, naturwissenschaftliche und technische Bildungsbereiche, mathematische Bildungsbereiche, ökologische Bildungsbereiche, Medien. Diese Bildungsbereiche finden sich in der pädagogischen Konzeption der Möhrenbande in verschiedener Schwerpunktsetzung wieder. Einen weiteren Bildungsbereich in der Möhrenbande bildet die Verkehrserziehung, da die Kinder im innerstädtischen Wohnumfeld aufwachsen und ein souveränes Bewegen im Großstadtdschungel überlebenswichtig ist.

Zudem ermöglicht die Kooperation mit dem Theodor-Fliedner-Heim ein alltägliches miteinander zwischen Jung und Alt, sodass Generationenübergreifendes Leben einen weiteren Anker der pädagogischen Arbeit bildet.

Im Folgenden wird skizziert, wie die Umsetzung dieser Bildungsbereiche in der Möhrenbande konkret ausgestaltet wird.

2.3.1. Natur und Umwelt

Die Kinder der Möhrenbande leben alle in einem innerstädtischen Wohnumfeld. Die Strukturen der Stadt mit Ampeln, Gehwegen, und schnellen, zum Teil gefährlichen Straßen sind den meisten Kindern vertrauter als Wald und Feld. So ist es ein elementares pädagogisches Ziel, mit den Kindern die Natur zu erleben, den Wald zu erforschen und Flora und Fauna kennenzulernen. Aber auch ökologische Fragen wie Mülltrennung, Recycling und Aktionen wie Müllsammeln im Park (mit entsprechendem Handwerkszeug) sind Bestandteil der ökologischen Bildungsbereiche.

2.3.2. Bewegung

Dem natürlichen Bewegungsdrang von Kindern wird in der Möhrenbande in vielerlei Hinsicht Rechnung getragen. Insbesondere das Bewusstsein über die gesellschaftlichen Entwicklungen, die dazu führen, dass Kindern – gerade auch im städtischen Wohnumfeld – nur noch wenig Raum und Zeit für Bewegung geboten wird, führen zu einer Schwerpunktsetzung in der Möhrenbande. Neben der Freude an Bewegung und Toben sind aus pädagogischer Sicht auch die Entwicklung von Geschicklichkeit, Körperkoordination und Kondition von Bedeutung.

Konkret bedeutet das: Es gibt in der Einrichtung einen eigenen Bewegungsraum mit unterschiedlichen Elementen, die das Grobmotorische fördern. Jeden Tag finden für alle Kinder Aktivitäten draußen statt, entweder auf dem kitaeigenen Außengelände, in den umliegenden Grünanlagen (Westpark, Bolmke, Westfalenpark) oder auf nahegelegenen Spielplätzen.

Laufräder, Dreiräder und Fahrräder gehören zur Ausstattung und dürfen auch zu Ausflügen mitgenommen werden.

Einmal wöchentlich gibt es für die Kinder über drei Jahren einen Besuch im Schwimmbad, bei dem die Wassergewöhnung und das Toben und Plantschen im Vordergrund stehen.

2.3.3. Ernährung

Die Gesundheitserziehung in der Möhrenbande beruht in erster Linie auf Vorbildfunktion der ErzieherInnen und Eltern, sowie dem Angebot von abwechslungsreichem, frischem und gesundem Essen. Das Essensangebot orientiert sich an den Leitlinien des Instituts für Kinderernährung in Dortmund. (Optimix)

Die Kinder erleben durch eine Kochkraft in der Möhrenbande wie ihr Essen frisch zubereitet wird. Sie werden an der Essenszubereitung beteiligt. In kleineren Projekten z.B. zu Erntedank wird das Thema Lebensmittel intensiv behandelt. Ergänzend gibt es Besuche beim Zahnarzt und auch eine mediale und künstlerische Begleitung durch Bücher, informative Sachfilme und Bastelaktivitäten.

2.3.4. Kreativität und Musisches

Kinder lernen die Welt über tätiges Be-Greifen kennen und suchen im Kreativen die Umsetzung ihres geistigen Verständnisses von Zusammenhängen. Die Möglichkeiten im künstlerischen Bereich sind für die Kinder in der Möhrenbande als konstantes Angebot vorhanden. Malutensilien, Knete, Wasserfarben, Scheren, Kleber, Moosgummi etc. sind für die Kinder frei verfügbar. Zusätzlich gibt es themenbezogene Bastel- und Kreativarbeiten, die sich an jahreszeitlichen Schwerpunkthemen oder ausgewählten Projekten orientieren.

Für Kinder, deren Interessensgebiet nicht das Basteln ist, gibt es eine pädagogische Hinführung zur kreativen Ausgestaltung von selbstgewählten Vertiefungsthemen.Musik ist für Kinder ein Grundbestandteil ihres Selbst. Sie singen und summen fortwährend erlernte Lieder aber auch eigene Kreationen mit Phantasiewörtern und Quatschtexten. Dieser urmenschlichen Musikalität wird in der Möhrenbande Rechnung getragen.

Musik ist fester Bestandteil des Alltags. Neben Singspielen und Liedern im Stuhlkreis gibt es reine Musizierkreise und Angebote der musikalischen Früherziehung. Verschiedenste Instrumente finden ihren Einsatz und helfen den Kindern Rhythmus und Takt selbst zu erzeugen und zu erfahren.

Die Herstellung von eigenen Instrumenten aus simplen Materialien als Spontanangebot oder auch im Kontext größerer Projekte findet regelmäßig statt.

2.3.5. Soziales Lernen, Sprache und Kommunikation

Soziales Lernen ist alltäglicher Bestandteil zwischenmenschlicher Beziehungen. Kinder erleben sich selbst als Teil sozialer Beziehungen und lernen am Vorbild der Erwachsenen und im Freispiel mit den Kindern. Aber auch begleitete Situationen im Rollenspiel, bei Kreisspielen und Bewegungsangeboten ermöglichen Strukturen des Miteinanders. Vertrauen, Konfliktlösungspotential, Respekt, und Toleranz gegenüber dem anderen werden entwickelt.

Praktische Elemente wie Gefühlewürfel, Bildtafeln und Wutbälle geben den Kindern die Möglichkeit einen Zugang und ein Verständnis für ihre eigenen Gefühle zu entwickeln und zwischen Ärger, Wut, Enttäuschung und Müdigkeit sowie auch Stolz, Zufriedenheit, Mut und Glück zu unterscheiden und alle Gefühle an „normal“ anzusehen.Ein gemeinsames Benennen von konkreten Situationen und gezielte Fragestellungen unterstützen die Kinder dabei Wünsche und Gefühle aber auch Unsicherheiten zu erkennen: Wie hat sich Tom wohl gefühlt? Warst Du sauer oder hat Dir das weh getan? Kannst Du sagen, warum Du gerade so wütend warst, dass Du gehauen hast? War das aus Versehen?

In der Möhrenbande bemühen wir uns um einen wertschätzenden und respektvollen Umgang miteinander und versuchen jedem einzelnen Menschen, ob groß oder klein das Gefühl zu vermitteln, dass er mit seinen Meinungen, Überzeugungen und Wünschen genau richtig ist, wie er ist, jedoch immer auch die Kooperation und das Miteinander mit dem anderen aushandeln muss.In Rahmen dieses dialogischen Miteinanders wird eine Grundlage für demokratisches Handeln geübt. So gibt es Abstimmungsverfahren zu Themen und Aktivitäten die die Kinder beschäftigen. Des Weiteren werden die Kinder in Kreisgesprächen und Kleingruppengesprächen angeleitet, ihre Meinung kund zu tun, ihre Bedürfnisse zu äußern und in angemessener Weise Beschwerden über allgemeine und/oder persönliche Anliegen zu formulieren.

Durch solche Formen der Partizipation erfahren die Kinder, dass sie durch ihr eigenes Handeln und ihre Beteiligung Systeme mitgestalten und Neues mit entwickeln können. Dabei hat das Miteinander und die Grenze meiner eigenen Bedürfniserfüllung im Kontext der Bedürfnisse der anderen immer seine Gewichtung.

Sprache und Kommunikation findet in allen Bereichen des Lebens statt und die Wertigkeit von Sprache ergibt sich aus der Wertigkeit der Kommunikationsmuster die wir miteinander pflegen. Die Möhrenbande verfolgt eine alltagsintegrierte Sprachförderung, die durch dialogisches Vorlesen, Sprachspiele und elaboratives Erinnern, sowie eine bewußte Sprachnutzung des pädagogischen Personals geprägt ist.

2.3.6. Religion, Spiritualität, Ethik

Kinder bringen eine grundlegende Spiritualität mit. Ihre Faszination für das Mystische, Verborgene und nicht Greifbare findet sich wieder in der Verzauberung durch Geschichten über Zwerge, Feen und Märchengestalten. Auch biblische Geschichten faszinieren Kinder. In der Möhrenbande findet die Vermittlung religiöser Inhalte zum einen durch eine Hinführung zum abendländischen Kulturgut statt, aber auch das Kennenlernen anderer Kulturen und Religionen mit ihren Festen und Geschichten spielt im Kontext interkultureller Pädagogik eine wichtige Bedeutung.

Dabei gibt es für die Kinder immer unterschiedliche Zugangsebenen. Neben der Wissensvermittlung über Geschichten und Gespräche werden Feste gefeiert, religiöse Inhalte nachgespielt (St.Martin, Krippenspiel, Passionsweg etc.) und sinnliches Erleben über Phantasie- und Traumreisen angeboten.

2.3.7. Naturwissenschaft, Forschung und Mathematisches Begreifen

Die natürliche Neugierde und Wissbegierde der Kinder liegt dem Konzept der Möhrenbande zu Grunde. Kleine und große Themen werden immer aus verschiedensten Blickwinkeln bearbeitet und betrachtet. Zwei Beispiele verdeutlichen die Herangehensweise:Wenn wir zum Bauern aufs Erdbeerfeld fahren, beschäftigen wir uns mit dem Wachstum der Erdbeeren und deren Anbau.

Wenn wir diese Erdbeeren zu Marmelade verkochen erfahren wir physikalische Gesetzmäßigkeiten und lernen gleichzeitig etwas über die Konservierung von Lebensmitteln und erleben am eigenen Leib, selbst hergestellte Lebensmittel zu verzehren.Wenn wir mit den Vorschulkindern Eigentumskisten bauen, berechnen wir gemeinsam einen Bau- und Materialplan, besorgen beim Holzhändler das Holz, und besuchen eine Tischlerei wo das Holz zugeschnitten wird. Die gesamte Ausführung liegt in der Hand der Kinder und wird nur von außen begleitet.

Der spielerische Umgang mit Zahlen und Mengen ist fester Bestandteil der alltäglichen Aktivitäten (kannst Du mal die Kinder zählen, wie viele Teller brauchen wir denn heute an diesem Tisch etc.).

2.3.8. Medien

Medienkompetenz bedeutet in der Möhrenbande vor allem, sich Medien zunutze zu machen, wo sie andere Lern- und Erlebniswelten sinnvoll unterstützen können. So kann man beispielsweise das Schlüpfen eines Vogelkükens nahezu nie live erleben, aber das Internet bietet zahlreiche Filme. Auch können die Kinder der Technik auf den Grund gehen, indem sie z.B. die Möglichkeit bekommen, ein Radio auseinanderzuschrauben, eine Schreibmaschine zu benutzen o.ä.

Darüber hinaus geht es neben dem rein praktischen Beherrschen des Powerschalters und des Lautstärkereglers auch um einen gesunden Umgang mit Medien. Die Begleitung durch Erwachsene ist im Kindergartenalter unabdingbar, da die Kinder häufig nicht in der Lage sind abzuschätzen, inwieweit ihnen die konkrete Nutzung gut tut (z.B. wenn ein Hörspiel plötzlich zu spannend wird, schafft es nicht jedes Kind, den Raum zu verlassen oder auszuschalten).

2.3.9. Verkehrserziehung

Im innerstädtischen Kontext sind Kinder dem Straßenverkehr ständig ausgesetzt. Eine grundlegende Souveränität schon im Kindergartenalter zu entwickeln ist überlebenswichtig. Insbesondere die Vorschulkinder sollen auf ihre Schulwege vorbereitet sein.Die Möhrenbande bewegt sich viel in der Stadt. Daraus ergeben sich viele Möglichkeiten die Regeln im Straßenverkehr mit den Kindern zu kommunizieren und einzuüben.

Das Vorbild der Erwachsenen und der größeren Kindern spielt beim Erlernen eines sicheren Verhaltens an Straßen aber auch in Bus und U-Bahn eine entscheidende Rolle.Auch die vernünftige Nutzung von Fahrzeugen (Dreirädern, Laufrädern und Fahrrädern) wird ständig ausprobiert und geübt.

2.3.10. Generationenübergreifendes Leben

Durch die Kooperation mit dem Theodor-Fliedner-Heim haben die Kinder die Chance im alltäglichen Miteinander von Jung und Alt mit dessen Bewohnern voneinander zu lernen und miteinander zu leben. Gemeinsame Musizier- oder Singkreise, Vorlesestündchen, Spieletreffen, Pflanzaktionen, Geburtstagsbesuche, Feste feiern und vieles mehr führen zu einem regen Austausch zwischen den ganz jungen und den älteren und ganz alten Menschen.

Diesen Begegnungen liegt sicherlich ein pädagogischer Ansatz zu Grunde, in allererster Linie geht es aber um ein Wiedererwachen der Selbstverständlichkeit, dass die verschiedenen Generationen einander bereichern, ergänzen und erfreuen können.

2.4. Individuelle Begleitung und Förderung der Kinder

Jedes Kind bekommt in der Möhrenbande die Chance sich im Rahmen seines Alters, seiner Fähigkeiten und individuellen biographischen Gegebenheiten zu entwickeln. Ein besonderes Augenmerk legen wir auf die Übergänge. Der Übergang vom Elternhaus oder der Tagesmutter in den Kindergarten, der Übergang vom unter dreijährigen Kind zum über dreijährigen Kind und eine Vorbereitung des Übergangs vom Kindergarten in die Schule sind von hoher Bedeutung und werden mit den Kindern gemeinsam gestaltet.

2.4.1. Unsere Arbeit mit den Kindern unter 3 Jahren

Die Wahrnehmung der Bedürfnisse der jüngeren Kinder nach Strukturen, Sicherheit und Ritualen haben eine große Bedeutung im Alltag der Möhrenbande. Dieses spiegelt sich in einem Bezugsbetreuersystem, den festen Stammgruppen, alltäglichen Ritualen und der Sicherheit der eigenen, nur ihnen vorbehaltenen Räumen.

Das Eingewöhnungskonzept orientiert sich am Berliner Modell und versucht in enger Kooperation mit den Eltern den individuellen Bedürfnissen des Kindes und den Möglichkeiten und zeitlichen Ressourcen der Familie gerecht zu werden.Ein breites und altersgerechtes Materialangebot sowie genug Raum, Geräte und Orte zum Klettern, Toben und Kuscheln stehen den Kindern zu ihrer Entfaltung zur Verfügung.Es gibt Sing- und Stuhlkreise mit und ohne die älteren Kinder, sodass die Kleinen aktiv ins Alltagsgeschehen eingebunden sind, aber auch in ihren eigenen Schonräumen unter Zuwendung der ihnen vertrauten Fachkräfte ihre Lebenswelten entfalten können.

Im teiloffenen Konzept ergeben sich für die Kinder unter drei verschiedenste Möglichkeiten in ihren Stammgruppen aber auch im Austausch mit den größeren Kindern Erfahrungen zu sammeln und sich auszuprobieren. Die Lernprozesse die diese altersgemischten, gruppenübergreifenden Aktivitäten mit sich bringen, beinhalten für alle Kinder ein Erleben und Erlernen der unterschiedlichsten sozialen Verhaltensweisen wie Rücksichtnahme, Verantwortungsgefühl und Toleranz.

Je nach pädagogischen Möglichkeiten und der spezifischen Gruppenstruktur nehmen auch die Kinder unter drei Jahren an Ausflügen teil.

Die individuellen Schlafbedürfnisse und Entwicklungsstände beim Essen werden möglichst mit in die Alltagsabläufe einbezogen.

2.4.2. Die dreijährigen Kinder

Mit dem dritten Geburtstag eröffnen sich den Kindern neue Möglichkeiten in der Möhrenbande. Sie erlangen neue Freiheiten (freie Wahlmöglichkeit der Räumlichkeit im Kontext des teiloffenen Konzepts, Teilnahme am Schwimmen und an Tagesausflügen etc.) und bekommen kleine Aufgaben (Tischdienste, Hofdienste u.ä.). Sie gehören nicht mehr zu den Kleinen.

Dem in diesem Alter erwachenden Drang und Bewußtsein nach „Groß-werden“, Verantwortung haben, Dinge alleine tun zu dürfen wird hier Rechnung getragen. Außerdem sind für viele Kinder vier oder fünf Kitajahre eine langer Zeitraum, in welchem es wichtig ist, dass sich ihnen zu bestimmten Zeitpunkten neue Erfahrungswelten bieten. 

2.4.3. Die Vorschulkinder

In der Möhrenbande ist es uns es ein wichtiges Anliegen, die Vorschulkinder auf ihrem Weg zur Einschulung besonders zu begleiten. Es geht dabei nicht primär um einen Vorschulunterricht, sondern um eine Lebenssouveränität, ein gesundes Selbstvertrauen, ein Training der Konzentrationsfähigkeit, eine Lernbegeisterung und die Erfahrung, sich die Welt durch eigenes Erleben zu verinnerlichen.

Konkret heißt das, dass unser Vorschulprogramm viel Projektarbeit beinhaltet, welches eine Kombination aus Erleben, Selbst-tun und theoretischer Wissensvermittlung umfasst. Die Wahrnehmung von sich selbst als autarkem Individuum als Teil einer sozialen Gemeinschaft wird durch verschiedene Angebote gefördert.

2.4.4. Inklusion

„Es gibt keine Norm für das Menschsein – es ist normal verschieden zu sein“
Richard von Weizsäcker

Langfristig ist es unser Ziel in der Möhrenbande Inklusion zu leben.

Sowohl für die Kinder mit, als auch für die Kinder ohne Beeinträchtigung bedeutet Inklusion eine große Chance zur Erweiterung ihrer Perspektiven.

Da in der Möhrenbande Inklusion nicht nur ein Zusammenleben in den gleichen Räumen bedeutet, bestehen die Alltagsangebote immer wieder auch aus Aktivitäten, in denen jedes einzelne Kind seine besonderen Fähigkeiten und Stärken vertiefen und intensivieren kann. So bringen Kinder mit Beeinträchtigung ihre ihnen eigenen Begabungen mit und können sich hier beweisen.

Die Kooperation mit den Eltern und der Frühförderstelle hat für die Arbeit mit diesen Kindern besondere Bedeutung.

Die Infrastruktur der Räumlichkeiten ist im Rahmen der baulichen und finanziellen Möglichkeiten barrierefrei. Verschiedene architektonische Elemente sind auch in Hinblick auf verschiedene Formen der Beeinträchtigungen geplant worden.

2.4.5. Entwicklungsdokumentation

In der Möhrenbande werden die Kinder nicht nur in ihrem Alltagserleben begleitet, sondern es erfolgt auch eine Dokumentation ihrer Entwicklung. Diese beinhaltet zum einen Portfoliomappen in denen Bilder, Fotos und Bastelarbeiten aufbewahrt werden. Diese Mappen fördern bei den Kindern den Selbstbildungsprozess, da die eigenen Entwicklungsschritte kontinuierlich beobachtbar sind. Ergänzend erfolgt auch eine Beobachtung des Kindes, die in freier und strukturierter Form anhand des Gelsenkirchener Beobachtungsbogens stattfindet.

Diese Beobachtungen bilden die Grundlage für halbjährlich stattfindende Elterngespräche, in welchen das pädagogische Personal und die Eltern in aktivem Austausch stehen und gemeinsam schauen, wie das individuelle Kind sich entwickelt, ob es Förderung braucht, und wie eine Zusammenarbeit zwischen Elternhaus und Kita aussehen soll.

3. Elternmitarbeit

Der Trägerverein der Möhrenbande liegt in Elternhand. Eltern haben gemeinsam mit dem pädagogischen Fachpersonal das pädagogische Konzept erarbeitet und sehen sich selbst in der Verantwortung, gemeinsam mit den pädagogischen Fachkräften die Einrichtung in ihrer organisatorischen und pädagogischen Arbeit zu tragen.

Die Mitarbeit der Eltern ist verpflichtend und bietet den Eltern die Chance ihre Interessen, Wünsche und Fähigkeiten mit einzubringen. Desgleichen gibt es im Rahmen von Elternabenden und individuellen Gesprächen immer Raum auch Beschwerden und Kritik zu äußern, um dann gemeinsam mit den Beteiligten nach konstruktiven Lösungen oder Kompromissen zu suchen.Somit bedeutet Elterninitiative für die beteiligten Eltern Familienpolitik aktiv mit zu gestalten und am Alltag ihrer Kinder teilzuhaben.

Es ist uns wichtig, jeden einzelnen Menschen in der Möhrenbande (Kind, Elternteil, Fachkraft) in seinen Fähigkeiten wahrzunehmen und zu schätzen, ihm Lebensfreude zu ermöglichen und im gemeinsamen Miteinander unsere Möhrenbande zu gestalten. Wir glauben, dass es für die Kinder es ein besonderes Geschenk ist, ihre Eltern als engagierte, sozial verantwortliche und lebensfroh tätige Menschen zu erleben.

3.1. Organisatorische Aufgaben, Aufgaben im Verein

Die Eltern bringen sich in verschiedenen Arbeitsgruppen ein. Zum Beispiel in der Essensgruppe, Festegruppe (Weihnachtsfeier, Sommerfest, Ostern, St. Martin etc.), Konzeptgruppe, Kennenlerngruppe für die neuen Familien etc. Diese Gruppen werden je nach aktuellem Bedarf der Einrichtung ins Leben gerufen und in Kooperation mit dem pädagogischen Team durchgeführt. Jedes Elternhaus übernimmt ein Elternamt/einen Elterndienst.

3.2. Elterndienste

Diese sind sehr vielfältig und gliedern sich grob in organisatorische, handwerkliche und pädagogische Dienste. Die pädagogischen Elterndienste beinhalten, einmal im Monat zur Unterstützung bei Ausflügen oder zum Schwimmen für einige Stunden in einem bestimmten Zeitraum im Rahmen des Kitaalltags das pädagogische Team ergänzend zu begleiten.

Des Weiteren sind organisatorische und handwerkliche Elterndienste zu besetzen, wie z.B. Instandhaltungsverantwortliche für die Räumlichkeiten und das Außengelände , DM-Einkäufer u.ä. Freiwillige, ergänzende Unterstützung ist in Absprache mit dem pädagogischen Team immer willkommen.

3.3. Elternämter

Vorstand und Elternbeirat sind gewählte Ämter. Diese Eltern vertreten den Trägerverein und die Interessen der Elternschaft. Gemeinsam mit der Leitung bilden diese Gremien den Rat der Tageseinrichtung und organisieren den Kitaalltag aus dem Hintergrund auf regelmäßigen Treffen. Näheres regelt die Satzung.

3.4. Elternabende

Ungefähr einmal im Monat findet ein Elternabend statt. Diese finden gruppenintern statt. Inhalte sind pädagogische Themen und Berichte des Teams aus dem Alltag, sowie organisatorische Fragen. Bei Bedarf wird der Elternabend in gruppeninternen und gruppenübergreifend unterteilt. Die Termine für die Elternabende werden zu Beginn des Kitajahres für das ganze Jahr festgelegt.

3.5. Qualitätssicherung

Ein Handbuch zur Qualitätssicherung mit den verschiedenen Gremien und Aufgaben der Organisation, sowie den Arbeitsabläufen und Methoden einer kontinuierlichen Überprüfung und Selbstreflektion wird während der Gründungsphase erarbeitet.